Gemeinsam mehr bewegen

Unsere Stimmen gegen den unverantwortlichen Sparkurs

Ärztinnen und Ärzte im ÖGD gehören wieder in die Kammerversammlung


Dr. med. Anne Bunte und Dr. med. Rudolf Lange

Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) ist überzeugt, dass wir Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) weniger wert sind als unsere Kolleginnen und Kollegen in Krankenhäusern. Seit sieben Jahren lehnt es die VKA in den Tarifverhandlungen strikt ab, die Gehälter der Mitarbeiter im Öffentlichen Gesundheitsdienst an den Standard des TV-Ärzte anzupassen.

Unzählige Ärztinnen und Ärzte haben deshalb dem ÖGD bereits den Rücken gekehrt. Nachfolger sind nicht zu gewinnen, da die Gehaltsunterschiede bis zu 1500 Euro im Monat betragen. Die gravierenden Folgen des Ärztemangels in unseren Gesundheitsämtern für unsere Bevölkerung beeindrucken die Verantwortlichen offenbar nicht.

Wir wissen nur zu gut, die personelle Ausstattung der Ämter sinkt ständig und in gut zehn Jahren werden die meisten heute beruflich tätigen Kollegen im Ruhestand sein. Es geht wirklich um die Zukunft der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung.

Ohne Ärzte im ÖGD können Kinder vor dem Schuleintritt nicht mehr untersucht werden. Aber auch die Kariesprophylaxe, die Sicherung sauberen Trinkwassers, unsere aufsuchende Hilfe bei psychisch Kranken, die Untersuchungen auf ansteckende Krankheiten und Aufklärungen über Infektionen können nicht mehr erbracht werden.

Solange aber die erheblichen Gehaltsdifferenzen zu Klinikärzten weiter bestehen bleiben, werden offene Arztstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst nicht mehr besetzt werden können. Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich logischerweise für Arbeitsstellen, bei denen sie eine faire und angemessene Wertschätzung auch finanzieller Art erhalten. Es ist eine unverantwortliche Politik der Arbeitgeberseite, mit ihrem Sparkurs die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu gefährden.

Selbst die Gesundheitsminister der Länder plädieren nach langem Zögern mittlerweile dafür, Ärztinnen und Ärzte im ÖGD nach dem TV-Ärzte zu bezahlen. Sie wissen, innerhalb von 18 Jahren ist die Zahl der Ärzte im ÖGD um ein Drittel gesunken.

Wir leben in einer Zeit der vollen Kassen, die Steuereinahmen sprudeln mehr als auskömmlich. Es ist höchste Zeit, in die Bereiche zu investieren, die für die Bevölkerung unverzichtbar sind. Wir haben mit unseren Demonstrationen im Herbst 2018 viel Aufmerksamkeit erhalten. Mit unserem Protest gegen die Folgen des Sparkurses haben wir vor allem unsere Verantwortung für das Wohl der Bevölkerung belegt. Die Gesundheit der Bürger ist in Gefahr. Die Gesundheitsämter sind in ihrer Existenz bedroht, denn kaum eine Fachärztin oder ein Facharzt will dort unter diesen Bedingungen noch arbeiten.

Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass die offenen Arztstellen im ÖGD endlich wieder besetzt werden können und der Arbeitsplatz im Gesundheitsamt wieder attraktiv wird. Entscheidend dafür ist eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag für Ärzte des Marburger Bundes.

Als Teil der Marburger Bund-Fraktion haben wir in der jetzigen Kammerversammlung mit fünf Ärztinnen und Ärzte aus den Gesundheitsämtern unsere gemeinsamen Interessen gut vertreten können – zudem im Vorstand der AEKNO, als Bezirksvorsitzende oder auch als Mitglieder in den Vorständen der Kreisstellen. Diese Erfolge wollen wir in der kommenden Amtsperiode fortsetzen und mit unseren Stimmen möglichst noch weitere MB-Delegierte aus dem ÖGD in die neue Kammerversammlung wählen.

Der Marburger Bund setzt sich konsequent für die Wertschätzung und adäquate Vergütung unserer ärztlichen Tätigkeit ein. Wir sind keine Verwaltungsärztinnen und -ärzte! Die Ärztekammer Nordrhein ist unsere berufliche Vertretung, aber nur der Marburger Bund wahrt in unserer Kammer die besonderen Interessen der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD. Deshalb unterstützen Sie bitte mit Ihren Stimmen die Listen des Marburger Bundes.

DR. MED. ANNE BUNTE
DR. MED. ANNE BUNTE
Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Nordrhein, Gesundheitsamt Köln
DR. MED. RUDOLF LANGE
DR. MED. RUDOLF LANGE
Mitglied der MB-Fraktion in der Kammerversammlung, Gesundheitsamt Mettmann