Gemeinsam mehr bewegen

Stimmen gegen den unverantwortlichen Sparkurs

Ärztinnen und Ärzte im ÖGD gehören wieder in die Kammerversammlung

Jahrelang hat die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) es strikt abgelehnt, die Gehälter der Mitarbeiter im Öffentlichen Gesundheitsdienst an den Standard des TV-Ärzte anzupassen. Unzählige Ärztinnen und Ärzte haben deshalb dem ÖGD den Rücken gekehrt. Nachfolger sind nicht zu gewinnen, da die Gehaltsunterschiede bis zu 1.500 Euro im Monat betragen. Die gravierenden Folgen des Ärztemangels in unseren Gesundheitsämtern für unsere Bevölkerung beeindruckten die Verantwortlichen lange Zeit nicht. Nur mit außerordentlicher Solidarität und hohem Engagement gelang in diesem Frühjahr der Durchbruch.

Es ist dem Arbeitskampf von über 12.000 Ärztinnen und Ärzte zu verdanken, dass die VKA endlich eingelenkt hat. Der Marburger Bund wird mit der VKA für die Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) bis spätestens 30. Oktober 2019 separate Tarifverhandlungen aufnehmen. Wir wissen nur zu gut, die personelle Ausstattung unserer Ämter sinkt und in gut zehn Jahren werden die meisten heute beruflich tätigen Kollegen im Ruhestand sein. Es geht also tatsächlich um die Zukunft der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Ohne Ärzte im ÖGD können Kinder vor dem Schuleintritt nicht mehr untersucht werden.

Aber auch die Kariesprophylaxe, die Sicherung sauberen Trinkwassers, unsere aufsuchende Hilfe bei psychisch Kranken, die Untersuchungen auf ansteckende Krankheiten und Aufklärungen über Infektionen können nicht mehr erbracht werden. Solange die erheblichen Gehaltsdifferenzen zu Klinikärzten bestehen, werden offene Arztstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst nicht besetzt werden können. Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich nachvollziehbarerweise für Arbeitsstellen, bei denen sie eine faire und angemessene Wertschätzung erhalten. Es ist höchste Zeit für eine verantwortliche Politik der Arbeitgeberseite, denn der Sparkurs der VKA gefährdet die gesundheitliche Versorgung unserer Bevölkerung. Selbst die Gesundheitsminister der Länder plädierten nach langem Zögern dafür, Ärztinnen und Ärzte im ÖGD nach dem TV-Ärzte zu bezahlen. Sie wissen, innerhalb von 18 Jahren ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD um ein Drittel gesunken. Es ist deshalb höchste Zeit, in die Bereiche zu investieren, die für die Bevölkerung unverzichtbar sind. Wir ÖGD-Ärzte haben mit unseren Demonstrationen im vorigen Herbst viel Aufmerksamkeit erhalten. Mit unserem Protest gegen die Folgen des Sparkurses haben wir vor allem unsere Verantwortung für das Wohl der Bevölkerung nachgewiesen.

Die Gesundheit der Bürger ist in Gefahr. Die Gesundheitsämter sind in ihrer Existenz bedroht, denn keine Fachärztin oder Facharzt will dort unter diesen Bedingungen noch arbeiten. Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass die offenen Arztstellen im ÖGD endlich wiederbesetzt werden können und der Arbeitsplatz im Gesundheitsamt wieder attraktiv wird. Entscheidend dafür ist unter anderem die Bezahlung nach dem Tarifvertrag für Ärzte des Marburger Bundes. In der Marburger Bund-Fraktion können wir als Ärztinnen und Ärzte aus den Gesundheitsämtern unsere gemeinsamen Interessen gut vertreten und die bisher erfolgreiche Arbeit in der kommenden Amtsperiode weiter ausbauen. Der Marburger Bund setzt sich konsequent für die Wertschätzung und adäquate Vergütung unserer ärztlichen Tätigkeit ein. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist unsere berufliche Vertretung, aber nur der Marburger Bund wahrt in unserer Kammer die besonderen Interessen der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD. Deshalb unterstützen Sie bitte mit Ihren Stimmen Ihre regionale Liste des Marburger Bundes.

DR. MED. ANNE BUNTE
DR. MED. ANNE BUNTE
Leiterin des Gesundheitsamtes Gütersloh
DR. MED. FRANK RENKEN
DR. MED. FRANK RENKEN
Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund