Gemeinsam mehr bewegen

Spitzenmedizin gibt es nicht zum Spartarif

Unikliniken sind Leuchttürme der medizinischen Entwicklung

Patienten mit komplexen Erkrankungen erhalten an unseren Unikliniken die denkbar intensivste und fortschrittlichste medizinische Behandlung. Medizinische Forschung, Wissenschaft und Lehre hat in NRW ein sehr gutes Renommee. Kein Bundesland hat so viele Unikliniken wie wir. Im westfälischen Landesteil haben wir neben der Universitätsklinik Münster, dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum noch die Medizinische Fakultät an der Universität Witten/Herdecke. Es ist unserem beharrlichen Einfluss auf die Politik zu verdanken, dass das Johannes Wesling Klinikum Minden als Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum eingerichtet wurde und dass sich zudem die Medizinische Fakultät OWL in Bielefeld im Aufbau befindet. Auch in Siegen werden künftig Ärztinnen und Ärzte in Kooperation mit der Uniklinik Bonn ausgebildet. Über 2.000 angestellte oder beamtete Ärztinnen und Ärzte sind im Bereich unserer Ärztekammer in der Hochleistungsmedizin beschäftigt.

Die Politik verkennt die Bedeutung der Unikliniken

Unikliniken haben eine besondere Rolle: Sie sind für die Sicherung einer sehr guten medizinischen Versorgung unverzichtbar. Ärztinnen und Ärzte an Unikliniken behandeln schwierige und komplizierte Fälle, die oft nur noch dort versorgt werden können. Die Unikliniken sind Leuchttürme der medizinischen Entwicklung. Vor allem sie gewährleisten, dass die breite Bevölkerung zukünftig am medizinischen Fortschritt teilhaben kann. Unikliniken sind zudem für die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses zuständig.

Gleichwohl wurde diese außergewöhnliche Bedeutung der Unikliniken in der Krankenhauslandschaft von Politik und Arbeitgebern lange verkannt. Für ihre zusätzlichen Aufgaben fehlen den Unikliniken ausreichende Finanzen. Sie sind chronisch unterfinanziert. Unikliniken schreiben in aller Regel Defizite. Oft haben wir die Politik ermahnt, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, da anerkannte Spitzenmedizin ihren Preis hat. Mit ersten Erfolgen: Seit 2016 investiert die Landesregierung immerhin 2,2 Milliarden Euro in Unikliniken, wenngleich der Uni-Standort Minden unverständlicherweise nicht gefördert wird. Die oftmals schlechte wirtschaftliche Situation der Hochschulmedizin hat drei Hauptursachen: Die Kosten für Personal, Medikamente und Energie steigen deutlich stärker als die von den Kassen gezahlten Entgelte. Die Investitionen der Länder gingen viele Jahre zurück und die Sonderrolle der Unikliniken für das Gesundheitswesen wird in der Klinikfinanzierung nicht ausreichend berücksichtigt. Obendrein finden Forschung und Lehre zumeist in der Freizeit statt. Selten wird diese ärztliche Arbeit vergütet. Zur Erinnerung: An den Unikliniken keimte 2005 der Protest gegen drohende massive Gehaltsverluste durch den TVöD, den andere über unsere Köpfe hinweg aushandeln wollten. Wir erkämpften gemeinsam trotz massiven Widerstandes den ersten Tarifvertrag für Ärzte in Deutschland. Dabei erlebte die Ärzteschaft eine einzigartige Solidarität und Tausende Ärztinnen und Ärzte an Unikliniken zeigten ein beispielhaftes Engagement.

In jüngster Zeit haben sich die ärztlichen Arbeitsbedingungen an den Unikliniken verschlechtert, berichten uns Landespersonalräte. Dabei gibt es gute Beispiele, wie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort attraktive Arbeitszeitmodelle entwickelt werden können. Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf auch in der Spitzenmedizin und ihrem Spannungsdreieck aus Klinik, Lehre und Forschung kein Fremdwort bleiben. Konterkariert werden leider diese Bemühungen, wenn versucht wird, die Ressource „Arzt“ ökonomisch zu optimieren. Wir wissen nur zu gut, bei der Suche nach Ärztinnen und Ärzten auf dem Arbeitsmarkt kann nur diejenige Klinik gewinnen, die attraktive Arbeitsbedingungen, faire Gehälter sowie bezahlte Überstunden anbietet. Dafür kämpfen wir bei den anstehenden Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Ihre persönliche Solidarität brauchen wir auch jetzt in der Berufspolitik, denn nur mit Ihrer Stimme kann der Marburger Bund in der Ärztekammer Westfalen-Lippe bessere Arbeitsbedingungen für Sie gestalten. Gemeinsam können wir mehr bewegen.

PRIV.-DOZ. DR. MED. MICHAEL BÖSWALD
PRIV.-DOZ. DR. MED. MICHAEL BÖSWALD
Chefarzt Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, St. Franziskus-Hospital Münster, Vorsitzender des ÄKWL Verwaltungsbezirks Münster, Mitglied des ÄKWL-Arbeitskreises Hochschule und ärztliche Ausbildung
UNIV. PROF. DR. MED. THOMAS LÜCKE
UNIV. PROF. DR. MED. THOMAS LÜCKE
Chefarzt Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Direktor Universitätskinderklinik Bochum
JAN SACKARND
JAN SACKARND
Facharzt Innere Medizin, Leiter der Internistischen Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster
PROF. DR. MED. NILS EWALD
PROF. DR. MED. NILS EWALD
Chefarzt, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie, Diabetologie, Krankenhaus Lübbecke-Rahden – Mühlenkreiskliniken