Gemeinsam mehr bewegen

Neue Fehlerkultur etabliert

Qualität benötigt ärztlichen Sachverstand – keine ökonomischen Standards

Patientensicherheit und Fehlerkultur sind für die Ärztekammer Westfalen-Lippe ein wichtiger Bestandteil professionellen Handelns. Beide Themen nehmen in der Ärzteschaft einen hohen Stellenwert ein. Denn der offene und ehrliche Umgang mit Fehlern hilft, die Patientensicherheit zu erhöhen. Dies bietet große Präventionschancen, Fehler künftig zu vermeiden und die Patientensicherheit auf sehr hohem Niveau zu gewährleisten. Fehler in der Berufsausübung lassen sich in keinem Lebensbereich mit absoluter Sicherheit vermeiden.

Eine transparente Fehlerkultur und die Frage der Patientensicherheit sind wichtige Bestandteile des professionellen ärztlichen Handelns. Keine Frage: Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel, denn für den Betroffenen hat der eine Fehler mitunter schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Wie geht man mit Fehlern um? Unsägliche Kampagnen mit maßlos überschätzten Zahlen angeblich tödlicher Behandlungsfehler in Kliniken sind dabei alles andere als hilfreich. Sie belegen vielmehr die Mentalität und Unfairness mancher Krankenkassenfunktionäre.

Es gibt bessere Wege: Auf unser Betreiben hin haben die Ärztekammern in NRW das sektorübergreifende Critical Incident Reporting System (CIRS) etabliert. Damit haben wir eine Plattform zum interprofessionellen Erfahrungsaustausch und eine Voraussetzung für eine neue Fehlerkultur in der Medizin geschaffen. Unser CIRS-System erfüllt grundlegende Kriterien: Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und Sanktionsfreiheit und das mit niederschwelligem Zugang. Wir können stolz sein, dass wir uns mit dem CIRS-System von der personenbezogenen Sichtweise auf Fehler entfernen.

Es geht nicht um die Frage „Wer war schuld?“, sondern vielmehr „Was war schuld?“. Einrichtungsintern und -übergreifend können so Verbesserungen angestoßen werden. Eine Pranger-Situation darf nicht entstehen. Wir wollen aus Fehlern lernen! Ärzte streben seit jeher danach, Patientenversorgung auf hohem Niveau anzubieten. Der Weg führt über einen gewissenhaften Umgang mit kritischen Ereignissen und Fehlern. Eine konstruktive Beteiligung an der Sicherheitskultur erfordert die Freiheit, offen über Fehler und Beinahe-Ereignisse sprechen zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen für Verbesserungen und Fortbildungen genutzt werden. Auch das Thema Versorgungsqualität dürfen wir nicht den Ökonomen, Gesundheitswissenschaftlern, Versicherern oder Bürokraten überlassen: Ohne unseren ärztlichen Sachverstand geht es einfach nicht! Gerade die Versuche von Krankenkassen, mit skandalisierten Negativ-Botschaften das Vertrauen unserer Patienten in die ärztliche Versorgung zu erschüttern, verdeutlichen die Notwendigkeit unseres ärztlichen Sachverstandes in dieser Qualitätsdebatte.

Die westfälisch-lippische Ärzteschaft hat deshalb vor gut 40 Jahren eigens eine Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler eingerichtet. Ihre Aufgabe ist die objektive sachverständige Begutachtung ärztlichen Handelns. Bisher wurden zehntausende Anträge bearbeitet. In weniger als einem Drittel gutachterlich geprüfter Fälle wurde ein Behandlungsfehler festgestellt. In neun von zehn Fällen werden die kostenfreien Entscheidungen der Schlichtungsstelle von beiden Parteien akzeptiert und unnötige gerichtliche Verfahren vermieden. Unsere Ärztekammer Westfalen-Lippe trägt aktiv zur Patientensicherheit bei. Fehlerhäufigkeiten zu erkennen und Fehlerursachen auszuwerten, bringt wichtige Erkenntnisse für Fortbildung und Qualitätssicherung. Es ist unverzichtbar, dass wir als Marburger Bund bei dem Umgang mit Fehlern und der Sicherung der Qualität in unserer Ärztekammer Westfalen-Lippe gestaltend vertreten sind. Nur mit Ihrer Stimme für den Marburger Bund können wir auch künftig offen mit Fehlern umgehen und so letztlich die Patientensicherheit erhöhen.

DR. MED. JOACHIM DEHNST
DR. MED. JOACHIM DEHNST
Mitglied im Vorstand der ÄKWL, Vorsitzender des ÄKWL-Verwaltungsbezirks Hagen
DR. MED. BARBARA STEFFENS
DR. MED. BARBARA STEFFENS
Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie, internistische Intensivmedizin, Leitende Abteilungsärztin Kardiologie, Klinik Martinusquelle, Bad Lippspringe, Mitglied der MB-Fraktion in der ÄKWL-Kammerversammlung
DANIEL FISCHER
DANIEL FISCHER
Vorsitzender des MB-Bezirks Detmold, Mitglied des ÄKWL-Arbeitskreises Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement, Vorsitzender des ÄKWL-Arbeitskreises Rettungswesen, Notfallmedizin und Katastrophenmedizin
DR. MED. THEO SIEVERT
DR. MED. THEO SIEVERT
Leitender Oberarzt, Facharzt für Neurochirurgie, Johannes Wesling Klinikum Minden – Mühlenkreis-kliniken