Gemeinsam mehr bewegen

Heilkunst braucht Sprachkunst

Sprache ist der Schlüssel für eine sichere Patientenversorgung


Von Prof. Dr. med. Fuat Hakan Saner, Dr. med. univ. Feras El-Hamid und Alexis Theodorou

Seit Jahren sind in den gut 340 nordrhein-westfälischen Krankenhäusern über 2.500 Arztstellen unbesetzt. Selbst mit teuren Stellenanzeigen, mit kostspieligen Headhuntern und dem verstärkten Einsatz von bevorzugt bezahlten Honorarärzten ist das Problem nicht zu lösen. Ärztemangel ließe sich nur vermeiden, wenn zeitgerecht eine bedarfsgerechte Zahl an Studienplätzen vorhanden wäre.

Seit Jahrzehnten stellen hierzulande Ärztinnen und Ärzte, die im Ausland ausgebildet wurden, in Krankenhäusern, MVZ oder Praxen die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ende 2018 arbeiteten allein in Nordrhein 6.175 Ärztinnen und Ärzte (2017: 5.717) aus dem Ausland, 4.276 davon im stationären Bereich. Das ist ein Anteil von gut 18 Prozent aller Klinikärzte. Zur Aufrechterhaltung unserer hochwertigen Versorgung sind ausländische Ärztinnen und Ärzte unverzichtbar geworden.

Wie sieht die Realität in unseren Kliniken aus? Immer wieder werden in unserem Alltag erhebliche sprachliche Verständigungsprobleme unter Kollegen oder im Arzt-Patienten-Verhältnis beklagt. Wir engagieren uns, dies zu ändern: Vor fünf Jahren erhielten die beiden Ärztekammern in NRW die Zuständigkeit für die Durchführung von Sprachtests für ausländische Ärztinnen und Ärzte, die eine Approbation oder Berufserlaubnis beantragen. Die Zuständigkeit für diese Aufgaben stärkt unsere ärztliche Selbstverwaltung.

Heilkunst braucht Sprachkunst. Wir wissen, als Ärztin oder Arzt muss man sich sprachlich flexibel und dynamisch in beruflichen Alltagssituationen bewegen können. Die Sprachinhalte müssen so verstanden und – mündlich wie schriftlich – weitergegeben werden, dass Missverständnisse vermieden werden. Wir Ärzte benötigen eine berufsspezifische Sprachkompetenz. Missverständnisse könnten fatale Folgen haben.

Unsere Ärztekammer Nordrhein führte im Vorjahr 1.078 Fachsprachenprüfungen durch. Wir wollen sicherstellen, dass diese Prüfung nicht als medizinische Kenntnisprüfung verstanden wird. In einem 60-minütigen Sprachtest muss der Arzt ein simuliertes Patientengespräch führen, die erhobenen Befunde dokumentieren und sich abschließend den Fragen von drei Prüfern stellen, zwei davon sind approbierte Ärzte. Gut die Hälfte besteht die Prüfung im ersten Anlauf. Hier fehlt noch Transparenz. Wir wollen dafür sorgen, dass die durchgefallenen Prüflinge auch ein Feedback über die Gründe erhalten.

 

Unser Angebot: Intensivkurse – damit wir uns besser verstehen

Sprache ist die tragfähige Grundlage für eine gelungene Integration. Als Marburger Bund fühlen wir uns verpflichtet, den ausländischen Kolleginnen und Kollegen dabei zu helfen. In unseren Seminaren für ausländische Ärztinnen und Ärzte vermitteln wir praxisnah alles Wissenswerte über unser Gesundheitssystem. Wir geben ausländischen Ärzten nicht nur hilfreiche Tipps und Informationen zur Anerkennung und zum Berufsstart.

Gemeinsam mit dem mibeg-Institut Medizin bieten wir spezielle Intensivkurse Fachsprache Medizin an, die gezielt auf die Prüfung vorbereiten. Das kostenfreie vierwöchige Seminar umfasst 180 Stunden à 45 Minuten (20 Unterrichtstage à 9 Stunden). Die Dozenten verfügen über eine langjährige Lehrerfahrung und sind in der Regel Ärztinnen und Ärzte. Inhalte sind u. a. die notwendigen Grundlagen zur Erstellung eines Arztbriefes und der medizinischen Dokumentation, wie die rechtlichen Grundlagen ärztlichen Handelns. Trainingsmodule zur klinischen Gesprächsführung, zur Nutzung medizinischer Datenbanken und zur Prüfungsvorbereitung sind weitere wichtige Bestandteile des Seminars.

Unser Ziel: Wir wollen eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung in Krankenhäusern sicherstellen. Uns ist es wichtig, dass die aus dem Ausland kommenden ärztlichen Kolleginnen und Kollegen fachlich wie sprachlich gut vorbereitet in den Beruf starten. Helfen Sie uns mit Ihrem Votum für die Listen des Marburger Bundes, bei dieser Arbeit erfolgreich zu sein.

PROF. DR. MED. FUAT HAKAN SANER
PROF. DR. MED. FUAT HAKAN SANER
Mitglied der MB-Fraktion in der Kammerversammlung, Universitätsklinikum Essen
DR. MED. UNIV. FERAS EL-HAMID
DR. MED. UNIV. FERAS EL-HAMID
Mitglied der MB-Fraktion in der Kammerversammlung, Kreiskrankenhaus Waldbröl
ALEXIS THEODOROU
ALEXIS THEODOROU
Mitglied im Arbeitskreis Junge Ärzte des MB NRW/ RLP, Präsident des Vereins Genesis e. V., Universitätsklinikum Bonn