Gemeinsam mehr bewegen

Gesunde Balance zwischen Berufs- und Privatleben

Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle müssen stärker gefördert werden


Von Dr. med. Christiane Groß M.A. und Dr. med. Daniela Dewald

Immer mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit des Berufs- und Familienlebens – das haben Umfragen des Marburger Bundes ergeben. Es ist sehr erfreulich, dass junge Ärztinnen und Ärzte sich nicht mehr zwischen Kindern und Karriere entscheiden wollen, sondern nach geeigneten Wegen suchen, um beide Lebenswelten gut miteinander zu verbinden.

Der Marburger Bund unterstützt Ärztinnen und Ärzte. Die Nachfrage nach familienfreundlichen Arbeitszeiten und Teilzeitstellen ist bei beiden Geschlechtern sehr hoch. Elternzeit und Anbindung an das Krankenhaus über Fortbildung und die Möglichkeit des gestaffelten Wiedereinstiegs sind essenziell für die Wertschätzung der ärztlichen Arbeitskraft. Wir wollen strukturelle Veränderungen, fordern bessere Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit und flexiblere Arbeitszeitmodelle. Familienfreundliche Strukturen bedeuten Planbarkeit, mehr Transparenz und Kreativität. Warum? Blicken wir beispielhaft auf einen täglichen Kampf junger Ärztinnen und Ärzte mit Kindern gegen die Zeit. Wer kennt das nicht?

  6:30h           Pausenbrote schmieren, sind alle Schulsachen eingepackt?

  7:30h           als Erstes in den Kindergarten

  7:45h           schnell in die Klinik

15:30h           Personalratssitzung

16:30h           Schließzeit des Kindergartens

17:00h           Shuttle zur Ballettschule und Einkaufen

19:00h           Kochen, gemeinsames Abendessen?

20:00h           Hausaufgaben-Kontrolle, Kinder ins Bett bringen

21:00h           Chaos-Begrenzung im Haushalt

22:00h           Laptop aufklappen…

Für viele junge Ärztinnen und Ärzte ist das ein ganz normaler Wochentag. Eine Familie gründen zu können, die neben dem Arztalltag nötige Zeit für die Kinder und den Partner zu haben, das ist kein unerhörter Luxus, sondern ein wesentliches Bedürfnis der meisten Menschen. Ein Fakt, der auch die Berufswahl beeinflusst. Attraktive Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer zu schaffen, stellt eine unumgängliche Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen dar. Um es klar zu sagen: Es ist der einzige Weg, auf dem auch Kliniken fachlich qualifiziertes Personal heute noch gewinnen können.

Neben strukturellen Änderungen in Kliniken müssen aber auch die Rahmenbedingungen geändert werden: Wir brauchen flexiblere Betreuungszeiten für Kinder. Eine Kita, die flexible Betreuungszeiten zwischen 6 und 23 Uhr anbietet, ist ein hervorragendes Beispiel für Familienfreundlichkeit. Es bedarf noch wegweisender Initiativen. Impulse kommen oft von Ärztinnen und Ärzten. Es ist ein wesentliches Anliegen des Marburger Bundes, diesen Wunsch nach Familienzeit – sei es für die eigenen Kinder oder für zu betreuende Angehörige – zu fördern.

Neben der verbesserten Familienfreundlichkeit in Kliniken müssen Frauen unabhängig von ihrem familiären Stand stärker gefördert werden. Nicht nur, weil derzeit Ärztemangel besteht, sondern weil es selbstverständlich ist, berufliche Kompetenz geschlechterunabhängig zu fördern. Zwei von drei Studienanfängern im Fach Humanmedizin sind weiblich. Viele Artikel und Symposien widmen sich der „Feminisierung der Medizin“. Ohne Frage, die resultierende Veränderung hat Konsequenzen: Mehr neue Wege zur Vereinbarkeit von Familie und beruflichem Fortkommen werden benötigt. So muss unserer Ansicht nach die Weiterbildung für Teilzeitbeschäftigte noch flexibler werden.

Frauen gehören stärker als bisher in Führungspositionen. Ihr Anteil liegt dort derzeit bei nur elf Prozent. Eine Karriere muss Frauen auch mit Familie möglich sein. Die Förderung von Frauen in Kliniken ist keine Forderung nach Besserstellung oder Sondervergünstigung. Sie stellt für die Krankenhäuser vielmehr eine Chance dar, auf Fragen in fachlicher Hinsicht gute Antworten zu bekommen. Noch nutzen wir die ausgezeichneten Qualifikationen von Ärztinnen zu wenig. Beziehen wir Ärztinnen doch selbstverständlich mit ein!

Bei dieser Kammerwahl vertritt nur der Marburger Bund die besonderen Interessen angestellter und beamteter Ärztinnen und Ärzte. Andere Listen vertreten vornehmlich niedergelassene Kollegen. Es gibt somit gute Gründe, unsere Marburger Bund-Listen mit Ihrer Stimme für die Herausforderungen der nächsten fünf Jahre zu stärken. Übrigens geht unsere Ärztekammer vorbildlich voran: Seit Jahren ist im Haus der Ärzteschaft eine hervorragende Kinderbetreuung etabliert, die keiner mehr missen möchte. Noch ein Grund mehr für aktive Mütter und Väter, durch ihre Stimme den Marburger Bund zu stärken.

DR. MED. CHRISTIANE GROSS M.A.
DR. MED. CHRISTIANE GROSS M.A.
Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Nordrhein, Wuppertal
DR. MED. DANIELA DEWALD
DR. MED. DANIELA DEWALD
FA Anästhesiologie, Universitätsklinikum Bonn