Gemeinsam mehr bewegen
11.08.2019

Kommentar des MB-Spitzenkandidaten Dr. med. Hans-Albert Gehle

Zwei Millionen Euro reichen für ein virtuelles Krankenhaus längst nicht aus

KGNW fordert Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro / Gerade der ländliche Raum soll profitieren

Münster. „Virtuelles Krankenhaus“: Digitales Facharzt-Netzwerk soll Leben retten, so titelte die Welt am 9. August 2019. Sicher, kürzere Wege können Behandlung verbessern – aber auch Leben retten?

„Wir wollen Räume überwinden, Wissen teilen und so das Leben verbessern und verlängern“, kündigt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann das Projekt an, das er selbst „eines der wichtigsten meiner Gesundheitspolitik“ nennt.

Gerade der ländliche Raum soll profitieren. Mit der Einrichtung soll auch Patienten in peripheren Krankenhäusern Zugang zur Universitätsmedizin ermöglicht werden, ohne dass sie dort hinfahren müssen. „Per Mausklick“ zu einem Experten-Zentrum über ein zentrales Verzeichnis. Quasi ein Konsil einer Universität in ausgewählten Fällen. Gute Idee! Aber was ist mit einer Anschubfinanzierung von zwei Millionen Euro im Jahr ab 2020 wirklich zu erreichen? Allein das Projekt „TELnet@NRW zur Verbesserung der intensivmedizinischen und infektiologischen Behandlungsqualität ist mit 19,6 Millionen Euro ausgestattet.

Was kann also das Projekt „Virtuelles Krankenhaus“ leisten? Wie sagt Staatssekretär a. D. Lutz Stroppe, Mitglied des Gründungsausschusses des Projektes, richtig: „Dafür müssen im ersten Schritt Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Krankenkassen zur Mitarbeit motiviert und die landes- und bundesrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.“ Als ersten Schritt begrüßen auch wir die Initiative des Ministers. Auch die über den Innovationsfonds geförderten Digitalen Projekte in eine echte Strategie zusammenzuführen ist eine gute Idee. Allerdings:

1. Es braucht deutlich mehr: Allein in NRW, so die KGNW müssten 250 Millionen Euro jährlich über acht Jahre investiert werden, um überhaupt digitale Vernetzung möglich zu machen. Auch wir haben gefordert, die 210 Millionen Euro aus dem Strukturfonds in NRW hierfür statt allein für Krankenhausschließungen zu nutzen.

2. Dass die neue und interessante Forderung des Ministers, dass das Virtuelle Krankenhaus Teil des System der Regelversorgung werden soll, von den Kassenvertretern sofort in eine Forderung nach Konzentration von Kapazitäten und Krankenhausschließungen umgemünzt wird, verhindert eine sachliche Ausei­nan­dersetzung. Sicher, digitale Versorgungsstrukturen können helfen, für die Patientinnen und Patienten eine bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlung zu ermöglichen, aber können Sie dadurch ein Krankenhaus ersetzen?

Auch wir begrüßen Vernetzung. Aber was wir wirklich brauchen, ist zunächst eine ehrliche Diskussion. Wie müssen wir die Gesundheitsversorgung/Medizin der Zukunft aufstellen? Wie erreichen wir eine gerechte Versorgung in Zeiten begrenzter finanzieller Mittel? Was kann Digitalisierung und KI nutzen und wo liegen Gefahren?

Fragen, mit denen wir uns als Marburger Bund auseinandersetzen. Was wir brauchen, sind richtige Schritte in eine Zukunft mit Augenmaß und Verstand. Hierzu braucht es eine ehrliche Diskussion. Wir sind dazu bereit, unseren Sachverstand einzusetzen. Unsere Forderung an alle Beteiligten im Gesundheitswesen und die Öffentlichkeit – beteiligen Sie sich, aber seien Sie ehrlich, denn es geht um unsere gemeinsame Zukunft!

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