Gemeinsam mehr bewegen

Gemeinsam mehr bewegen!

Über 70 Jahre Marburger Bund. Eine kurze Chronik: In allen größeren Städten Deutschlands trafen sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Ärztinnen und Ärzte, um ihre materielle Notlage und die seinerzeit unzumutbaren Arbeitsbedingungen zu verbessern. Mitte Juni 1947 gründeten junge Ärzte und Medizinstudenten in der mittelhessischen Kreisstadt Marburg den Marburger Bund.

Schon im ersten Programm wurde die Befristung von Arbeitsverträgen abgelehnt, auf das Recht zur Niederlassung gepocht und eine Reform des Studiums verlangt. Von Anfang an positionierte sich der Marburger Bund so als Berufsgewerkschaft und Berufsverband - für angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte. Im Namen wird Letzteres 1993 verankert.

Der Marburger Bund entwickelte früh förderale Strukturen: Am 26. Mai 1948 geründete sich als erster Landesverband der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen, am 24. September 1948 der Marburger Bund Rheinland-Pfalz - die Fusion beider Landesverbände erfolgte kurze Zeit später. Heute vertritt der Marburger Bund NRW-RLP über 30.000 Ärztinnen und Ärzte. Der größte MB-Landesverband ist in insgesamt 26 Bezirke in beiden Bundesländern untergliedert (www.marburger-bund.net).

Schwerpunkte der Arbeit des Marburger Bundes bildeten von Anfang an arbeitsrechtliche und berufspolitische Aufgaben. Mitglieder erhalten individuelle arbeitsrechtliche Beratung. Ein umfangreicher Service wurde für Ärzte und Medizinstudenten aufgebaut.

Klassische Berufspolitik: Der Verfassungsklage gegen Zulassungsbeschränkungen folgen das Votum für eine eigenständige berufsständische Altersversorgung und schließlich der Kampf gegen unbeschränkte Arbeitszeiten für Ärzte und die Forderung nach einer Krankenhausreform. Themen, die bis heute an Aktualität nicht verloren haben.

Das zweite Standbein - die Tarifpolitik: Im März 1950 wird eine Kooperation mit der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) vereinbart. Bleistiftstreik 1968 und erste bundesweite Ärztestreiks im Jahr 1971 richten sich gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen.

Tod auf Verlangen? Auch in ethischen ärztlichen Grundsatzfragen positioniert sich der Marburger Bund klar. Und als zusehends von der Politik Kostendämpfung im Gesundheitswesen betrieben wird, warnt der Marburger Bund frühzeitig vor den Folgen für die Patienten. Ob in Medien oder bei Gesetzesanhörungen - der Marburger Bund bringt seine ärztliche Sachkompetenz ein.

2001 verschmolz die DAG mit vier DGB-Gewerkschaften zu der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Die Interessen der Minderheit der Ärztinnen und Ärzte gingen jedoch schnell verloren. Als 2005 der TVÖD den BAT ablösen sollte, entzog der Marburger Bund wegen drohender massiver Gehaltsverluste für Ärzte - auf wesentliches Betreiben des MB-Landesverbandes NRW-RLP - ver.di das Verhandlungsmandat. Durch Streiks an Universitätskliniken und kommunalen Krankenhäuser erkämpfte der Marburger Bund 2006 bundesweit gültige eigenständige Tarifverträge für Ärztinnen und Ärzte. Bis heute wurden über 170 Tarifverträge für Ärzte abgeschlossen.

Der Marburger Bund NRW-RLP ist zudem in der ärztlichen Selbstverwaltung seit Jahrzehnten erfolgreich aktiv. In den drei Ärztekammern Nordrhein, Westfalen-Lippe und der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz sowie in den vier Bezirksärztekammern Koblenz, Rheinhessen, Pfalz und Trier stellt der Marburger Bund NRW-RLP in den Kammerversammlungen die größten Fraktionen und mit Rudolf Henke, Dr. med. Theodor Windhorst und Dr. med. Günther Matheis die Kammerpräsidenten. Von der Gestaltung der Weiterbildung bis zur Krankenhausplanung - auch in den Ärztekammern lässt sich gemeinsam mehr bewegen.

Zur Webseite des Marburger Bunds NRW/RLP